Die Stimme der Frau riss Hendriks Gedanken von dem mysteriösen Fleck weg, und er fing an zu stottern: „Äh, äh Oslo.“
„Oslo. Was für ein Zufall. Da will ich auch hin.“
Sie legte ihren Kopf schief, richtete ihren Blick wieder nach vorne, betätigte den Blinker und fuhr zurück auf die Straße, die dunkel und düster vor ihnen lag. Hendrik, der noch immer von seiner neuen Umgebung und vor allem von der Frau fasziniert war, konnte nicht anders, als diese noch genauer zu begutachten. Erst jetzt fiel ihm das knallgelbe Haarband auf, welches die Frau in ihren Haaren trug. Sein Blick wanderte zu ihrem Gesicht. Sie hatte eine kleine Stupsnase und Sommersprossen.
Irgendetwas an ihr kam ihm vertraut vor. Die junge Frau räusperte sich. Hendrik wandte sich erschreckt ab und stierte nun aus dem Beifahrerfenster.
„Wie heißen Sie?“, fragte die Frau plötzlich. Hendrik wandte sich erneut zu ihr und erwiderte: „Ich? Ich heiße Hendrik. Hendrik Johansson. Und Sie?“
Er klang unsicher und nervös. Hendrik war klar, dass die Frau bemerkt haben musste, dass er sie die letzten Minuten unentwegt angestarrt hatte.
„Ich bin Emma. Meinen Nachnamen können Sie sich sowieso nicht merken, also behalt ich den für mich. Was wollen Sie denn in Oslo?“
Emma hatte eine weiche, zarte Stimme und gerade dieser Klang scheuchte die Schrecken der vergangenen Stunden aus seinem Gedächtnis. Hendrik lächelte kurz und antwortete dann: „Ich, ich… .“ Er brach ab. Ja was genau wollte er eigentlich in Oslo. Wieso Oslo? Sam.
„Ich möchte einen Freund besuchen!“
„Einen Freund also.“
Emma blickte ihn lächelnd an und richtete erneut ihren Blick auf die Straße und bemerkte: „Sie dürfen mich übrigens duzen. Ich kann mit dem Gesieze sowie nichts anfangen. Das konnte ich noch nie.“
„Na dann, hallo Emma.“ Sie lächelte.
Nach einigen stillen Augenblicken passierten sie eine Baustelle und der Wagen holperte bedrohlich auf der zu richtenden Straße. Es war ein Auf und Ab und der alte Käfer quietschte und schimpfte.
„Mein armes altes Auto.“ Emma seufzte. Hendrik sah sie an und legte den Kopf schief. „Was tun Sie, ich meine was tust du in Oslo?“ Sie antwortete mit einem Seufzen: „Ich bin eigentlich auf dem Weg nach Trondheim, aber gestern wurde ich gebeten, die Kanarienvögel einer Freundin zu pflegen, bis diese wieder aus dem USA zurück kommt. Und diese Freundin wohnt in Oslo.“
„Mit Tieren kann ich nichts anfangen“, antwortete Hendrik rasch. Emma blickte ihn mit großen Augen an: „Ich bin Tierärztin.“ Hendrik wurde es heiß. Seine Ohren begannen zu glühen und er starrte nun auf seine Knie. Der Schnitt in seiner Hose fiel ihm auf und der Schmerz durchfuhr ihn wieder.
Emma lächelte und folgte dann Hendriks Blick und trat abrupt auf die Bremse.
„Was ist denn mit Ihnen geschehen?“
Der blonde Mann schluckte. „Das ist nichts, ich bin vorher ausgerutscht und hingefallen, tut ja auch nicht weh.“ Doch der schmerzverzerrte Ausdruck von Hendriks Gesicht verriet ihn. „Nichts? Da steckt doch was drin. Ich halte kurz und schaue mir das an, ja? Schließlich verarzte ich auch Elefanten, da werde ich wohl keine Probleme mit einem entlaufenen Norweger haben.“ Sie lächelte und fuhr auf den Standstreifen.

… morgen gehts weiter…