Es waren jetzt noch knapp 20 km und Hendrik wurde langsam müde. Die Vorkommnisse der vergangenen Stunden hatten ihn sichtlich schwer mitgenommen. Emmas sorgvoller Blick, den sie immer wieder ihrem Beifahrer zuwarf, entging diesem nicht.
Schilder, Bäume und Kilometeranzeigen flogen an Hendrik vorbei. Als es noch 15 Kilometer waren trat Emma langsam auf die Bremse. Hendrik blickte nach vorne und erkannte eine Polizeiliche Absperrung kurz nach der Ausfahrt Richtung Ijansbruket. Hendriks geschärfte Sinne erwachten. Was wenn diese Absperrung etwas mit den Menschen in grau zu tun hatte? Emma fuhr noch langsamer.
„Ist alles in Ordnung“, fragte sie mit festem Unterton. Hendriks Stimme bebte als er ihr antwortete: „Ja mit mir ist alles in Ordnung, doch ich traue dieser Absperrung nicht, nachdem was mir heute passiert ist.“ Emma kaute nervös auf ihrer Unterlippe herum.
„Was ist dir denn passiert? Nicht, das es mich etwas anginge, aber du machst wirklich den Eindruck darüber sprechen zu wollen.“
Als der Käfer gerade eine schmale und steile Ausfahrt passierte, riss Hendrik plötzlich das Steuer nach rechts. Emma schrie panisch auf, und versuchte den ächzenden, quietschenden Käfer wieder unter Kontrolle zu bekommen.
„Was zum Geier sollte der Scheiß? Bist du noch ganz bei Trost“, keifte sie den jungen Mann neben sich an. Nach der steilen Kurve trat Emma das Bremspedal durch und fuhr rechts heran. Längliche schwarze Streifen hatten sich auf dem grauen Fahrbelag gebildet.
„Aussteigen“, bellte sie den verwirrt drein blickenden Hendrik an und schmiss in unsanft aus ihrem Auto. Hendrik stolperte und kam hart auf der matschigen Grasfläche neben der Fahrbahn auf. Emma zog die Beifahrertür zu und brauste davon. Nun saß er da. Alleine auf irgendeiner düsteren Straße, zehn Kilometer von Oslo entfernt. „Toll“, murrte Hendrik vor sich hin, „das hast du wieder einmal prima hinbekommen.“ Er erhob sich mürrisch und über sich selbst schimpfend, als zwei Rote und ein Weißes Licht auf ihn zu kamen. Abrupt blieb Hendrik stehen und legte den Kopf leicht schief. Der orangene Käfer kam keuchend und prustend neben ihm zum Stehen. Das Beifahrerfenster wurde ruckelnd herunter gekurbelt und eine verärgert drein blickende Emma blitze ihn an. Hendrik setzte schnell ein entschuldigendes Lächeln auf, klopfte seine Beine ab und stieg zurück ins wartende Auto.
Eine ganze Weile regierte das Schweigen zwischen den beiden. Keiner gab auch nur einen Laut von sich, bis Emma sich schließlich hörbar räusperte und Hendrik wieder diesen verärgerten Blick zuwarf. Hendrik starrte wieder auf seine Knie und nuschelte eine undeutliche Entschuldigung.
Wieder diese betretende Stille zwischen den beiden.
„Was sollte das vorhin?“ Emma hatte die Stille anscheinend satt und wollte aufgeklärt werden. Hendrik verstand das nur zu gut und grübelte kurz nach, wo er denn anfangen sollte. „Ich bin Chemiker und vorher gab es eine Erschütterung“, stotterte er. „Eine Erschütterung? Ist etwas explodiert?“ Emma klang immer noch beleidigt.