„Nein, es gab eine Art Erdbeben. Und mein Labor wurde zerstört.“ Hendrik atmete hörbar ein und aus.
„Erdbeben. Komisch, davon habe ich nichts mitbekommen!“ Hendrik erzählte nun mit Händen und Füßen, was sich alles in seinem Labor zugetragen hatte und er lies dabei kein Detail aus. Als er bei den grauen Männern ankam, stockte er wieder. Emmas Augen weiteten sich vor Entsetzen: „Und was willst du jetzt tun? Zur Polizei gehen?“
Hendrik wehrte entsetzt ab: „Zur Polizei? Nein. Das hat etwas mit meinen Forschungen zu tun. Und das ist streng vertraulich.“
Es war schließlich 22:57 Uhr, als sie die Straßen Oslos endlich erreichten. Hendrik loste Emma durch die engen Straßen, die in einem merkwürdigen Licht glimmten, was Hendrik von seiner alten Universitätsstadt nun gar nicht gewohnt war.
Als sie fast das Zentrum der Altstadt und somit den Hafen fast erreicht hatten, stotterte das Auto plötzlich, ruckelte noch ein bisschen und schließlich starb der Motor ganz ab. „Na toll“, gab Emma von sich und Hendrik beobachtete das Mädchen dabei wie sie vergeblich versuchte ihr buntes Auto wieder zum Laufen zu bringen. Doch umsonst. Der Motor blieb stumm. Hendrik und Emma verließen das Auto um sich zu Fuß zu ihren beiden Zielen aufzumachen.
Die Stadt lag ruhig da, was zu so später Stunde auch kein Wunder war. Hier und da sahen sie einen Obdachlosen oder Betrunkenen, der im Schein einer Straßenlaterne da saß und schnarchte. Nichts ungewöhnliches passierte.
Ein Lärm erhob sich, tobende Stimmen kamen ihnen entgegen. Die beiden blickten sich besorgt an und kaum waren sie in eine Querstraße eingebogen, rannten ihnen plötzlich aufgebrachte und verängstigte Bürger entgegen und schrien unverständliches Zeug, was Hendrik zunehmend beunruhigte.
„Was da wohl los ist?“ Emmas Stimme klang ebenfalls gereizt und verängstigt.
Und mit einem Mal kam ihnen eine Schar mittelalterlich bekleidete Menschen entgegen, mit Fackeln und allerhand Werkzeug, die aus einem Museum zu sein schienen. Es war wie aus einem Geschichtsbuch herausgegriffen.
„Ein Umzug zu so später Stunde?“
Hendrik sah Emma fassungslos an und reagierte in diesem Augenblick genau richtig. Er packte die verdutzt blickende Frau und drängte mit ihr an den Häuserrand. Die Bauern und Burschen, die auf die beiden zukamen, gafften, pöbelten und schubsten und drücken sich an den beiden vorbei. „Was zum Henker wird denn das“, rief Emma dem besorgten Hendrik zu. Hendrik schüttelte nur verzweifelt den Kopf und schob sich weiter an der Wand und der aufgebrachten Menge vorbei. Ein Ende dieser Schlage war nicht in Sicht, doch zwischen den Personen waren jetzt auch Soldaten in Rüstungen zu erkennen, die wie wild auf einige der Menschen einschlugen. Jetzt kamen auch Soldaten zu Pferde auf Emma und Hendrik zu. Die Soldaten zündeten die umliegenden Häuser an und ritten dann lachend und johlend weiter. Emma drückte sich verängstigt an Hendrik und er versuchte sie zu beruhigen: „Wir müssen weiter. Mein Freund wohnt genau um die Ecke. Nur noch hundert Meter. Und dann sind wir in Sicherheit.“