23:30 Uhr – Wohnung von Sam, Oslo, Norwegen

Ein entsetzt drein stierender Sam Doyle, der mit seinem Wintermantel und einer Baumwollmütze bekleidet war, riss die Wohnungstür im dritten Stock auf und erkannte seinen alten Studienkollegen und guten Freund Hendrik Johansson.
„Was tust du hier?“ Sams Begrüßungen fielen immer kläglich aus, aber das hätte Hendrik angesichts der in Oslo herrschenden Ereignisse nicht gerechnet. Kennengelernt hatten die beiden sich im 2. Semester als Sam ein Auslandspraktikum in Norwegen startete. Die beiden wohnten im selben Studentenheim und verbrachten mehrere Abende zusammen mit Freunden. Der gebürtige Brite war das komplette Gegenteil von Hendrik. Er liebte Aufmerksamkeit, kam bei Frauen gut an und brachte von jeder Party, auf die er ging, eine neue Eroberung und einen mächtigen Rausch mit.
„Dürfen wir rein kommen“, setzte Hendrik vorsichtig an und schob nun Emma hinter seinem Rücken hervor.
„Wer ist denn das?“ Sam klang beunruhigt. Emma lächelte kurz und stellte sich vor. Sam zögerte einen kurzen Moment, trat dann jedoch zur Seite und winkte die beiden in seine Wohnung. Hendrik sah wie Sam seine Tür vorsorgliche verriegelte und ihm ins gleich rechts am Flur angrenzende Zimmer folgte. Der Raum war nicht sonderlich groß und mit einem rot glänzenden Vorhang vom spärlich beleuchteten Flur abgetrennt. Es war das erste Mal, das Hendrik die neue Wohnung von Sam persönlich besuchte. Ansonsten hatte er immer nur Ausschnitte über die Webcam sichten dürfen. Er schaute sich genau um. In der Mitte stand das rote Ecksofa, welches er noch aus Studienzeiten gut kannte. Dort gegenüber war die Küchenzeile eingelassen. Es war eine normale Einbauküche und nichts Besonderes. Und dann auf der anderen Seite, dort wo die großen Fenster einen Blick auf die Altstadt Oslos hätten zeigen müssen, war brauner Pappkarton angebracht, der mit silbernem Panzerklebeband befestigt war. Dort stand auch das kleine Bett.
Hendrik beobachtete wie sich Sam langsam und unsicher auf das Stoffsofa gleiten und seine Gäste keine Minute aus den Augen lies. „Nett hast du es hier, Sam“, setzte er an. Diese Angst, die man in seinen Augen ablesen konnte, hatte bestimmt mit den Aufstand in Oslo zu tun. Hendrik wusste, dass er Sam die ganze Geschichte erzählen musste, denn die Angst, dass das Experiment damit etwas zu tun hatte, wuchs jede Sekunde.
„Sam, ich oder besser wir werden verfolgt. Ich weiß was dafür verantwortlich ist, oder bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass hier so einiges nicht mit rechten Dingen zugeht. Deshalb bitte ich dich uns beiden für die Nacht deine Wohnung als Schlafplatz zur Verfügung zu stellen. Morgen ich verspreche es dir, sind wir dann wieder weg.“ Hendrik hatte gehofft mit seinen Worten seinen aufgescheuchten Freund beruhigen zu können, doch mit dieser Reaktion von Sam, hätte Hendrik nie gerechnet.