11:02 – Wohnung von Sam, Oslo, Norwegen

Hendrik blinzelte. Ein Scharren und Kratzen hatte ihn aus dem unruhigen Schlaf gerissen. Er blickte sich verschlafen um. Er lag auf dem Sofa von Sam, immer noch mit seinem Laborkittel zugedeckt. Als Kopfkissen hatten im zwei zerwetzte Couchkissen gedient. Langsam reckte er sich und setzte sich schließlich auf. Sein Kopf brummte etwas und ihm war leicht schlecht. Er kaute argwöhnisch auf seiner Zunge und suchte die Ursache des störenden Geräusches. Emma stand an einem der großen Glasscheiben und hatte etwas Pappe und Klebefilm von der Scheibe gekratzt. Hendrik erhob sich, strich sich seine verzottelten Haare aus dem Gesicht und band sie zu einem Pferdeschwanz zusammen. Er näherte sich leise der jungen Frau von hinten und schaute ihr über die Schulter. Emmas Augen hatten einen glasigen, abwesenden Ausdruck angenommen. Und dann sah er den Grund. Von den gestrigen Aufständen war keine Spur zu sehen. Nur die Gehsteige und Straßen waren mit einer dünnen Schicht braunem Sand bedeckt. Windböen ließen die leichten Körner aufwirbeln und sich an anderen Stellen wieder setzten.
„Schon merkwürdig, oder?“ Hendrik atmete tief ein.
„Du hast mich erschreckt“, antwortete Emma.
„Das wollte ich nicht. Wie hast du geschlafen?“
Hendrik versuchte gelassen zu klingen, was ihm aber der Anblick Emmas erschwerte. Sie gefiel ihm, doch so etwas wie ein Annäherungsversuch war zur Zeit fehl am Platz und das wusste er.
„Was, wenn wir uns das gestern nur eingebildet haben?“
Emmas Stimme klang erschöpft und irgendwie weit weg.
„Na dann wäre allerdings der Sand auch nicht da. Ich weiß nicht was ich davon halten soll.“
„Zumindest werde ich innerhalb der nächsten zehn Minuten aufbrechen. Aber zuvor muss ich mich noch bei deinem Freund bedanken, dass ich hier übernachten durfte.“
Hendrik hob entsetzt die Augenbrauen.
„Du darfst jetzt nicht einfach so gehen! Wer weiß was dann passiert!“
„Wie meinst du das?“
„Naja“, Hendrik seufzte, „die grauen Männer.“
„Hendrik, jetzt hör aber auf.“