„Nein, nicht so wie du denkst. Der ist voll cool. So ein Indiana Jones Freak. Er ist auf dem Weg nach Hamburg und hat vor von Kiel aus mit der Bahn zu fahren. Und er will sich dort so ein Deutschlandticket kaufen. Das ist billig meinte er und es können insgesamt fünf Personen mitfahren. Und ich hab gefragt, ob er schon Reisepartner hat und gesagt, dass wir zu dritt sind und gerne mitfahren wollen“, lallte Sam leicht und durchstöberte gleichzeitig die Karte.
„Sagen Sie mal, haben Sie auch was zum Essen?“
„Ich kann Ihnen Nüsse und Kekse anbieten. Aber neben an ist ein American Burger Lokal, in welchem Sie Burger bekommen. Kann ich Ihnen noch etwas zu trinken bringen?“
„Ja, einen Wodka Martini für mich und für uns zwei noch zwei Tequilla Silber. Oder besser vier.“
Der Kellner wandte sich um.
Hendrik betrachtete Sam mit einem besorgten Blick. Dieser musste schon sehr viel getrunken haben.
„Sam, wie viel hast du schon Intus?“
„Noch nicht genug.“ Er grinste.
„Was hast du dem Kerl, den du angesprochen hast, erzählt?“
Sam wandte seinen Blick, der auf die tanzende Emma gerichtet war ab und blickte Hendrik an.
„Hendrik, ich weiß schon was ich tue. Glaub mir, ich hab ihm nur soviel erzählt, wie er wissen darf. Und ich hoffe du hast unserem Püppchen auch nicht mehr erzählt. A propos Püppchen“, er kippte den halben Wodka Martini in sich, den der Kellner kurz zuvor auf den Tisch neben die vier Tequillas gestellte hatte, „einen Tequilla und dann geh ich einmal zu ihr.“
Sie stoßen an und Hendrik schleckte seinen Handrücken ab, den er zuvor mit Salz bestreut hatte, schluckte den beißenden Alkohol hinunter und biss in die mitgelieferte Zitrone. Der pure Alkohol erwärmte kurz seinen Hals und seine Glieder, doch die Wirkung verlor sich schnell, als Sam ihm zu zwinkerte und auf die Tanzfläche ging.
Er beobachtete die zwei, wie sie ausgelassen miteinander tanzten und Sam seine ganzen Frauenumwerbungskünste offenbarte. Er flüsterte ihr Witze ins Ohr, alberte herum, tat so als könne er nicht tanzen und als ein Softes Lied erklang, schmiegte er sich an Emma und flüsterte ihr noch so manch andere Sachen in die Ohren, die Frauen einfach zum Schmelzen brachten.
Hendrik kannte diese Masche in und auswendig. Er hatte es sooft gesehen und dann auch miterleben müssen, wie Sam Lina, in welche er einmal verliebt war, verführt hatte und mit dieser ins Bett stieg. Hendrik hatte ihm natürlich nie gesagt, dass er Interesse an dieser Frau gehabt hatte, denn die Freundschaft war ihm wichtiger als eine Frau.
Wahrscheinlich hatte auch das gemeinsame Forschungsprojekt damit zu tun.
Ein plötzlicher Schmerz lies Hendrik stark zusammenzucken. Die Wunde in seinem Knie musste wieder aufgerissen sein. Er stöhnte leise auf und drückte mit der Hand darauf. Es fühlte sich an, als sei er erneut auf die Wunde gefallen.
Er biss sich auf die Unterlippe um einen Gegenschmerz zu erzeugen und griff schließlich nach seinem Cocktail, den er in mehreren Schlucken leerte.
Der Schmerz hatte sich in einen Druck umgewandelt und etwas heißes lief sein Bein hinunter. Hendrik winkte dem Kellner und fragte nach ein paar Papiertüchern. Er krempelte seine neue Hose nach oben und wischte das Blutrinnsal auf, welches an sein Schienbein bedeckte.
„Verdammt“, fluchte er und drückte die restlichen Tücher auf die aufgeplatzte Wunde. Danach krempelte er die Hose wieder runter und nahm einen der zwei Tequillas zu sich, die noch auf dem Tisch standen.